Cherbourg – Barfleur – Villers-sur-Mer

 In 2017, Frankreich

Montag, 2. Oktober 2017

Ein paar Gedankensplitter vorweg, ehe sie durch Reise-Erlebnisse und neue Eindrücke ganz verschwinden…
Ja, es gibt sie noch, in Cancale: die typischen öffentlichen Toiletten in Frankreich mit dem Loch im Boden und dem Fußstand, gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich soviel hygienischer. Und die fast im Freien stehenden Pissoirs, manchmal so positioniert, dass man sich als Frau daran vorbeizwängen muss, um selbst zur Toilette zu gelangen, egal, ob da schon jemand steht – äußerst gewöhnungsbedürftig!

Wie ich mich auch sonst über die Toiletten hier wunderte, ob öffentlich oder auf dem Campingplatz: grundsätzlich alle Klos ohne Toilettenbrille. Nehme an, dass das Putzkommando es bei der Reinigung damit viel leichter hat. Sauber war es in der Regel überall. Ach ja, und manchmal gibt es noch die Toiletten mit den oben angebrachten Wasserkästen und dem Tüdelband zum ziehen! Unsere Kinder kennen sowas ja gar nicht mehr …
Auch das fiel mir auf den Campingplätzen auf: Hinweise auf den Umgang mit der Ressource „Wasser“, nicht mehr verbrauchen als nötig! Und: Bitte Landschaft und Umwelt sauber halten! Es sieht danach aus, dass sich viele daran halten. Die Regionen, die wir bisher durchfahren haben, waren sehr gepflegt.

Nun also nach Cherbourg (ca. 42.500 Einwohner) auf der Cotentin Halbinsel, im Norden der Normandie. Während der Fahrt genossen wir tollstes Wetter, doch als wir ankamen, hatten sich der Himmel total zugezogen. Die Stadt, am Golfstrom gelegen, ist ein großer Fährhafen. Hier fahren die Fähren nach England und Irland. Auch laufen große Kreuzfahrtschiffe den Hafen an. Außerdem ist Cherbourg zugleich auch Handels-, Militär- und Yachthafen.

Hafen Cherbourg, im Hintergrund ein Kreuzfahrtschiff


Hafen Cherbourg, im Hintergrund ein Kreuzfahrtschiff

Palmen mitten in der Stadt

Palmen mitten in der Stadt

Direkt am Hafen nahe der Innenstadt gibt es einen kostenlosen Stellplatz, den wir ansteuerten, aber nur zum Parken, denn der Platz war recht langweilig, einfach geteert ohne irgendwelche Services. Wie gesagt, war es total bewölkt, aber es regnete wenigstens nicht. Aber das war natürlich überhaupt nicht gut fürs Fotografieren. Man sieht’s an den Fotos.

Wir nahmen uns nur die Zeit für einen kleinen Bummel durch die Straßen der Innenstadt und entlang des Hafens zum Einfangen der Atmosphäre. Dabei kamen wir an der in Touristenbroschüren erwähnten Boutique für sturmsichere Schirme vorbei und schauten mal hinein. Liebhaber französischer Filme mögen die Geschichte kenne: 1963 wurde die Liebesgeschichte „Les Parapluies de Cherbourg“ mit keiner geringeren als Catherine Deneuve verfilmt und machte somit die Schirme weltberühmt. Sie werden tatsächlich noch von Hand hergestellt und gelten als sehr wertvoll und stabil. Wir sahen den Preis von 128€ an einem der Schirme und verließen, schwer beeindruckt, den Laden.

Palmen mitten in der Stadt

Der Cherbourg Parapluis

Frederick am Hafen

Frederick am Hafen

Napoleon Reiterstatue

Napoleon Reiterstatue

Uns gefiel die Stadt, Grund genug noch einmal bei besserem Wetter wiederzukommen.

Tagesziel war der in Touristenbroschüren hochgelobte Ort Barfleur, nur etwa 30 Minuten entfernt von Cherbourg, einem ursprünglichen Fischereihafen mit ca. 640 Einwohnern. Unser kostenloser Stellplatz lag ein wenig versteckt an einer langen Straße aber direkt am Meer. Wir waren praktisch nur durch eine Mauer und Brandungsschutz (riesige Steine) vom Meer getrennt. Auf dieser Mauer liefen wir entlang bis zum kleinen Strand und waren dort gleich wieder versucht, nach Ton/Steinen/Scherben zu forschen, mit Erfolg!

Der kostenlose Stellplatz in Barfleur

Der kostenlose Stellplatz in Barfleur

Abgeschilferte Glasscherben

Abgeschilferte Glasscherben

Das Meer vor unserem Stellplatz

Das Meer vor unserem Stellplatz

Avranches-Cherbourg-Barfleur

Avranches-Cherbourg-Barfleur

Boote vertäut am Kai

Boote vertäut am Kai

Für heute hatten wir genug gesehen und erlebt. Jetzt war es Zeit zum Abendessen. Danach machten wir es uns gemütlich vorm Fernseher.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Heute Morgen strahlte die Sonne, nur wenige Wölkchen waren zu sehen. Kaum gefrühstückt, brachen wir auch schon zur Erkundung des Ortes auf. Barfleur zählt zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Das Dorf ist klein, aber zauberhaft mit seinen schönen alten Granithäusern und Gassen und dem interessanten Hafen. Hier entdeckten wir auf vielen Häusern hübsche Figuren aus Keramik, auch die Hausnummern waren daraus und besonders schön gestaltet, so hatten wir es bisher noch nicht gesehen. Viele der kleinen Katen waren ganz offensichtlich für Ferienvermietung vorgesehen. Der Hafen bot einen Traumanblick und Frederick freute sich über die schönen Fotomotive.

Barfleur Hafen

Barfleur Hafen

Boote im Hafen

Boote im Hafen

Boote auf dem Trockenen

Boote auf dem Trockenen

Lädiertes Boot als Dekoration

Lädiertes Boot als Dekoration

Eine ganze Horde von deutschen Schülern/Schülerinnen trieb sich unter Aufsicht der Lehrer/innen am Hafen herum. Auf Klassenfahrt in die Normandie, keine schlechte Idee, Geschichtsunterricht, Geographie und Sprachkurs miteinander zu verbinden.

Im Mittelalter war Barfleur viel bedeutender, der Hafen war sehr wichtig und durch ihn ergab es sich, dass Schiffsbauer sich hier niederliessen. Zwischen 1066 und 1204 setzte man von hier aus sogar nach Southhampton, England über. Heute geht es eher beschaulich zu und die Touristen lassen sich vom besonderen Flair verzaubern. Die Tourist-Info ist in einem klitzekleinen Haus angesiedelt, das Schild in englischer Sprache im Fenster der Eingangstür ließ uns schmunzeln: Use Force to open the door! Mit anderen Worten: Bitte mit aller Gewalt die Tür öffnen! Das kannten wir schon aus Cornwall, dort hängt man auch solche Schilder an die Tür anstatt mal zu reparieren. Irgendwie aber auch sympathisch!

Die Kirche von Barfleur

Die Kirche von Barfleur

Die Kleine Tourist-Info mit der klemmenden Tür

Die kleine Tourist-Info mit der klemmenden Tür

Auf dem Rückweg zum Stellplatz sahen wir uns das Taubenhaus (ein Rundbau, hier „Turm“ und colombier/Taube genannt) noch einmal näher an. Es gibt viel Geschichte dazu: Taubentürme sollten die Macht und auch den Reichtum des Besitzers anzeigen. Es wurden aber auch viele Tauben verzehrt, der Dünger als Mist für die Landwirtschaft genutzt. So war es sicherlich wirtschaftlich interessant, so viele wie möglich zu züchten. Vielfach wurden Tauben aber auch als Brieftaube trainiert.

Taubenformationsflug

Taubenformationsflug

Das Taubenhaus

Das Taubenhaus

Alles in allem, war es ein lohnenswerter Besuch, dankbar waren wir für das gute Wetter. Barfleur eignet sich auch sehr gut für einen mehrtägigen Aufenthalt, wenn man Ruhe möchte. Kilometerlange Pfade laden zum Wandern entlang der Küste ein.

Keramikfigur auf dem Dach

Keramikfigur auf dem Dach

Keramik Namensschilder

Keramik Namensschilder

Um die Mittagszeit ging es weiter nach Villers-sur-Mer, eine ca. zwei Stunden Fahrt. Wir wählten die Autobahn, denn die Route entlang der Küste hätte doppelt so lange gedauert. Das fällt hier sehr schwer, denn man möchte am liebsten in jedem Dorf der Küste anhalten, weil es so viel zu sehen gibt und jedes seinen eigenen Charme hat. Kurz nach Caen bogen wir dann auf die Landstraße Richtung Cabourg ab, ließen aber Cabourg und Houlgate links liegen und steuerten den Gemeindestellplatz in Villers-sur-Mer an, der nur 9€ pro Übernachtung kostete. Es ist ein sehr schöner Platz. Die einzelnen Parzellen sind von einer hohen Hecke umgeben, so dass jeder seinen eigenen, privaten Bereich hat, in dem auch die Stühle aufgestellt werden können.

Stellplatz Villers-sur-Mer

Stellplatz Villers-sur-Mer

Die hohen Hecken gewähren Privatsphäre

Die hohen Hecken gewähren Privatsphäre

Der Stellplatz liegt nur 5 Minuten Fußweg vom Strand entfernt. Schon bei der Zufahrt war uns klar, dass dieser Ort ganz anders als alles bisher Gesehene war: mondän, neue Feriendomizile (jetzt überwiegend verrammelt) wechselten sich mit altem, traditionellen Baubestand in gepflegtem Zustand ab.

Rathaus von Villers-sur-Mer

Rathaus von Villers-sur-Mer

Normannisches Fachwerk entlang der Strandpromenade

Normannisches Fachwerk entlang der Strandpromenade

Nun war aber erstmal eine Kaffeepause für uns nötig! Danach auf zur Ortsansicht. Wir wählten den Weg über einen langen Strand, bis zum Ortszentrum ans andere Ende. Auch hier am Meer gab es wieder massenhaft interessant aussehende Steine, die wir aber größtenteils liegen ließen, da wir nicht so viel mit uns herumschleppen wollten. Nur einen sammelte ich auf: er sieht aus wie etwas, das mal gelebt hat. Ein Fossil, was mag es wohl gewesen sein? Es sieht aus wie der Kopf einer Schlange oder Schildkröte. Spannend!

Fossil Vorderseite

Fossil Vorderseite

Fossilie Rückseite

Fossil Rückseite

An der ewig langen Promenade bewunderten wir die sehr unterschiedliche Architektur, vieles in Fachwerkbauweise und hoch hinaus gebaut sind die Häuser auch noch. Hier war es nichts mit kleinen geduckten Katen, sondern hier stand Eleganz und Größe. Der Tourismus begann bereits 1852, als ein erstes Hotel für Sommerfrischler gebaut wurde. 1922 wurde der Ort als Luftkurort klassifiziert. Leider wurde Villers-sur-Mer 1940 von der Wehrmacht besetzt, 1944 im August dann von belgischen Soldaten befreit.

Barfleur - Villers-sur-Mer

Barfleur – Villers-sur-Mer

Endlos weiter Strand in Villers-sur-Mer.j

Endlos weiter Strand in Villers-sur-Mer.j

Im schmucken Zentrum war es sehr ruhig in den Straßen, Saisonende eben. Wir bummelten und erfreuten uns an den schönen Häusern. Für das Abendessen kauften wir noch etwas ein und wanderten dann den 2 km langen Weg an der Promenade zurück. Deshalb war heute mal ein Bier zum Abendbrot fällig, und ein Glas Wein für mich, französischer Rotwein natürlich.

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Comments
  • H. und C.-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Schöne Landschaft, schöne Städte und blaues Meer!
    Die Hafenstädte erinnern schon sehr stark auch an Cornwall.
    Schöne Fotos – alles top!
    Gruß Assi

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