Cancale und Avranches

 In 2017, Frankreich

Samstag, 30. September 2017

Insgesamt müssen wir sagen, dass es für unsere Reise in die Bretagne dann doch etwas zu spät geworden war. Die bessere Jahreszeit ist natürlich entweder Mai/Juni oder der Sommer, wenn alle hier sind … dann ist es aber zu voll, auch auf den Straßen. Vielleicht ist das durchwachsene Wetter aber auch nur eine Ausnahme, denn oft hat man doch noch einen Altweibersommer und einen goldenen Oktober. Wir lassen uns von dem Wetter aber nicht die Laune verderben, auch wenn es mal regnet (was es meistens nachts tut) und der Himmel sich nicht immer in strahlendem Blau zeigt. Die großen touristischen Anlaufstellen und besichtigungswerten Stätten wie St. Malo und Dinan und natürlich Mont St. Michel lassen wir dieses Mal aus und fuhren lieber kleine Orte an.

Wir verließen also die Côte d’Armor und fuhren in Richtung Côte d’Emeraude (Smaragdküste). Ein Freund hatte uns den Besuch des Hafenstädtchens Cancale empfohlen. Dort gibt es auch einen Wohnmobil-Stellplatz. Cancale gilt als die Hauptstadt der Austern. Im „terroir“ (Gebiet)
der Küste werden auf 380 ha nachgefragte Meeresfrüchte wie Austern und Muscheln gezüchtet.

Auf dem Weg nach Cancale kurvten wir noch ein wenig herum, weil wir dringend tanken mussten, sich aber so schnell keine Tankstelle fand – bzw. wollte Frederick nicht 1,33 € per Liter ausgeben! Bei St. Brieuc, einer größeren Stadt lag ein großes Einkaufszentrum. Hier konnten wir für 1,22 € tanken, wurde auch Zeit, 78 Liter füllten wir in den Tank, 80 Liter fasst er …

Am frühen Nachmittag hatten wir Cancale nach etwa 2-stündiger Fahrt erreicht und steuerten auf der immer schmaler werdenden Straße Richtung Zentrum/Hafen zu. Es wurde wirklich eng in dieser Einbahnstraße: auf der rechten Seite parkende Pkw’s und Hafenmauer, Watt und Meer, auf der linken Seite die Auslagen der Fischhändler und Restaurants. Aber der Ausblick auf das Städtchen entschädigte – wunderschön und malerisch!

Cancale Kirche hoch über dem Ort und dem Hafen

Paimpol - Cancale

Paimpol – Cancale

So zwängten wir uns bis ans Ende des Hafens, mit unserem großen Gefährt fühlten wir uns total fehl am Platz, an Parken war nicht zu denken. Wir bogen in die Straße, die in die Oberstadt führte, steil hinauf ging es. Ganz so schnell wollten wir unseren Aufenthalt hier doch nicht aufgeben. Bei der ersten Möglichkeit hielten wir und gaben die Daten des Stellplatzes (auf den wir eigentlich nicht wollten, da er so schlechte Kritiken bekommen hatte) ein und waren nach einigen Minuten dort. Es waren noch einige Plätze frei, man zieht ein Ticket, fährt durch eine Schranke und bezahlt erst bei Abreise (stündliche Anrechnung als Parkzeit, maximal 10€ für Tages-/Übernachtungsaufenthalt). Eigentlich ein faires Angebot. Die Kritik an der Sanitär-Station war aber berechtigt: weder richtig funktionsfähig noch sauber! Auch mehrere der Plätze waren auf weichem, matschigen Boden und oftmals sehr uneben.

In Paimpol gelang es uns, einen beliebten Bretagne-Aufkleber, „L’aise Breizh“ (eine lustige tanzende Figur), zu kaufen. Der sollte aufs Heck des Wohnwobils angebracht werden. Das erledigten wir heute als erstes. „L’aise Breizh“ bedeutet so etwas ähnliches wie „Lebensfreude in der Bretagne“. Wir nennen die Figur liebenswert „Zappeltante“. Hier ein Foto – sieht doch gut aus, oder?

L'aise Breizh Aufkleber (Unsere Zappeltante)

L’aise Breizh Aufkleber (Unsere Zappeltante)

Hafen und Pier in Cancale

Hafen und Pier in Cancale

Vom Platz schlängelt sich ein Fußweg durch den Wald hinunter zum Hafen, man ist also in einigen Minuten dort. Wieder mal kam uns Cornwall in den Sinn, St. Ives – inzwischen hatten wir Fotowetter und das Meer leuchtete! Die Verkaufsbuden entlang der Straße, mit allerlei Meeresgetier –  hauptsächlich Austern ausgestattet, sind unglaublich. Die Auslagen der Restaurants und der Fischhändler waren sogar für mich interessant, obwohl ich mich nicht für Meeresfrüchte begeistern kann.

Frederick musste unbedingt in einem der kleinen familiär geführten Restaurants einkehren! Wir entschieden uns für ein uriges Lokal und konnten draußen sitzen. Frederick entschied sich gegen die Austern (die alle dort zu essen schienen, Riesenportionen!) und bestellte Crevettes (Garnelen), für mich gab es eine großzügige Käseplatte und Brot, welch ein Angebot, eher selten zu finden in einem Fischrestaurant! Dazu gab es einen trockenen Weißwein. Wir beide waren mehr als zufrieden mit unserer Wahl und genossen jeden Moment. In Frankreich an der Küste ständig mit so viel Speisefisch und anderem konfrontiert, mache ich mir den Spruch eines Vegetariers zu eigen: ich esse nichts, was Augen hat. Allerdings greift das nicht bei Austern … die will ich auch nicht!

Die zweitletzte von 15 Garnelen

Gedenkstein für die auf See gebliebenen

Gedenkstein für die auf See gebliebenen

Werkzeug zum Öffnen von Austern

Werkzeug zum Öffnen von Austern

Bereits im Mittelalter lebten die Cancaleser von den Austern wie vom täglichen Brot. Um sie frisch zu halten, diente ein mit Meerwasser gefülltes Schiff als Kühlhaus. Die Aufzucht von Austern ist eine Wissenschaft für sich und Cancale hat es durch das vererbte Wissen der Austernfischer vom Vater auf den Sohn weit gebracht.

Alle Lokale waren bestens besucht, dieser Ort scheint wirklich eine Touristenhochburg zu sein und alles wegen der Austern! Natürlich auch wegen des besonderen Charmes der Stadt. Es Der Hafen lag trocken wegen Ebbe, wir konnten auf dem Sand laufen und über das Watt und und auf das ferne Meer schauen. Ganz am Ende des Hafens waren Stände aufgebaut und die Fischer verkauften kiloweise Austern. Sogar hier wurden sie auf Tellern á 6 oder 12 angeboten und die Leute konnten sie mit der mitgebrachten Flasche Wein auf der Hafenmauer sitzend genießen. Austern-verrückt, das Volk!

Restaurants am Hafen

Restaurants am Hafen

Na, wo geht die Reise hin

Na, wo geht die Reise hin

Auf der Pier hatte sich ein Musiker eingefunden, der die Handdrehorgel spielte und dazu sang und tanzte. Er sorgte für noch mehr bretonische Atmosphäre! Klickt auf „Handdrehorgel“, um einen Eindruck zu erhalten. Wir genossen so richtig die Atmosphäre.

Der lustige Handorgelspieler

Christus-Statue hoch über dem Hafen

Danach stiegen wir hinauf in die Oberstadt und schauten uns dort noch ein wenig um, an der großen Kirche, dem schönen Brunnen. Ein beschauliches Leben hier oben, so scheint es. Auf einem Wanderweg ging es wieder hinunter zum Hafen und noch einmal auf dem Sand entlang, der übersät war mit leeren Austernschalen. Trotzdem waren kaum lästige Möwen (Mouettes) zu sehen, wie wir es aus den Hafenstädten Cornwalls kennen. Grund wird sein, dass nicht soviel Fast Food/Street Food konsumiert wird. Hier setzt man sich lieber ins Restaurant und genießt.

Austernessen auf der Hafenmauer

Austernessen auf der Hafenmauer

Austern Verkaufsstand

Austern Verkaufsstand

Wir waren froh, dass wir dem Tipp unserer Freunde gefolgt waren und diesen schönen Ort kennengelernt haben. Sie wiesen uns darauf hin, dass während der Saison touristische Führungen über das Watt (per Traktor/Zug) hin zu den Austern- und Muschelbänken angeboten werden, sicher interessant.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter, dem neuen Ziel, Avranches entgegen. Wir entschieden uns für die Route am Meer entlang, soweit es ging, fuhren durch Marschland und durch hübsche kleine Ferienorte. Dabei entdeckten wir, dass so gut wie jeder dieser Orte einen Wohnmobilstellplatz hat und die Küste einen tollen Fahrradweg hat. Gut zu wissen für das nächste Mal!

Vor Mont St. Michel biegt die Straße wieder ins Inland und wir fuhren durch den Ort Pontorson. Hier war gerade Sonntagsmarkt. Zum Glück fanden wir schnell einen Parkplatz an der Straße und konnten dem Markt einen Besuch abstatten. Natürlich kauften wir auch etwas. Vor allem bei dem tollen Bäcker, Vorsorge für die Kaffeezeit.

Eine halbe Stunde später kamen wir in Avranches auf dem kostenlosen Stellplatz an. Man steht auf geteertem Grund, es gibt eine Sani-Station mit Frischwasser und der üblichen Entsorgung. Die Stadtbesichtigung mussten wir verschieben, da es sich mittlerweile eingeregnet hatte. Nicht schlimm, hatten wir doch unsere leckeren Törtchen aus der Bäckerei an Bord und so machten wir es uns gemütlich.

Unsere lecken Kuchen zum Kaffee

Unsere lecken Kuchen zum Kaffee

General Patton Denkmal

General Patton Denkmal

Avranches Kirche

Avranches Kirche

Die Musik unseres Lieblingssenders France Bleu/Armor begleitete uns. Wir hatten ja die Fest Noz Saison verpasst, während der in der Bretagne die volkstümlichen Tänze in wunderschönen Kostümen aufgeführt werden. Nun freuten wir uns über das eine oder andere Musikstück der typisch bretonischen Musik mit der Bombard, einer besonderen Flöte. In Cornwall waren wir früher Montag abends in Falmouth zum „Breton Dancing“ gegangen, so ist uns diese Musik noch im Ohr.

Eine kleine Pause ist ja auch mal ganz gut. Lesen, „computern“, Rätsel raten … wir können uns ganz gut beschäftigen. Das Abendessen muss auch vorbereitet und gekocht werden. Frederick schaute interessiert Sportschau. Später gab es noch einen interessanten Beitrag im NDR: „Mit dem Wohnmobil durch Südpolen“.

Alte Poststation - Jetzt exklusives Hotel

Alte Poststation – Jetzt exklusives Hotel

Cancale - Avranches

Cancale – Avranches

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Comments
  • H. und C.-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Detleffs!
    Wohnmobil-Urlaube stelle ich mir eigentlich auch immer ganz gemütlich vor. Eines der Hauptargumente dafür ist ja die Tatsache, daß man frei seine Zeit planen kann. Und wenn man nicht planen will, läßt man sich von seinem momentanen Wohlgefühl treiben. Da kann es nur ein Fehler sein, sich zu einem gewissen Zeitpunkt der Reise mit jemandem weit weg zu verabreden…
    Endlich habt Ihr Euch einen Restaurantbesuch gegönnt – längst überfällig! Und Ihr wurdet belohnt mit franzuösischer Kost – miesen Muscheln und Käse!
    Herzlichen Glückwunsch! Aber was ist oder sind „Anchovis“ und wie sehen „abgeschilferte“ Glasscherben aus?
    Der letzte Krieg hat in Europa häßliche Spuren hinterlassen. Dafür hat der Wahnsinnige aus Braunau gesorgt, Ich habe aber wenig Verständnis dafür, daß in
    den gebeutelten Ländern, ob Dänemark, Norwegen oder wie Ihr jetzt in Frankreich festellen konntet, altes Kriegsmaterial ausgestellt oder erhalten wird, um
    die Bevölkerung an den Krieg zu erinnern und zu mahnen. Diese Mahnmale wären nach meiner Ansicht in Deutschland besser aufgehoben – schließlich ging von uns das Verderben aus und wir sollten über das friedliche Miteinander, nicht nur in Europa, nachdenken.
    Allerdings wird der deutsche Tourist natürlich auch angesprochen und findet an solchen Orten Gelegenheit, sich für seine Geschichte zu schämen.

    Und was muß ich lesen? Waschtag schon morgens um 11.30 h – noch vor dem Frühstück!? Wie seid Ihr denn drauf? Das ist Mittagszeit – sogar bei uns in Itzehoe!
    Nennt man sowas Zeitverschiebung?

    Viele „Hühnergötter“ bilden einen göttlichen Hühnerhof! Da muß man sich aber schon für harte Frühstückseier erwärmen können, oder?
    In der Türkei seid Ihr damit Strandräuber und würdet eingesperrt – heute jedenfalls….

    Also ehrlich .- ganz schön was los auf Eurer Tour!
    Bis zum nächsen Mal.
    Assi

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