Avignon

 In 2017, Frankreich

Samstag, 22. April 2017

Fertigmachen zur Abreise ins nahe gelegene Avignon. Schnell war – wie üblich – entsorgt und wieder versorgt an der sehr sauberen Sani-Station.  Der erste Weg führte uns zum Lidl-Laden, wohl der größte und eleganteste, den wir je gesehen haben! Das Einkaufen machte Spaß! Das Navi, neu eingestellt, zeigte 40 km nach Avignon an und leitete uns wieder über „Autobahnen sprich Maut vermeiden“ Landstraßen. Mittlerweile war die Temperatur auf 24 Grad gestiegen, besser Reisen geht nicht: Blauer Himmel, Sonnenschein und sehr südliches Ambiente. Nach ca. einer dreiviertel Stunde hatten wir Avignon erreicht und befanden uns buchstäblich vor den Toren der Stadt, die von der alten 5 km langen Stadtmauer umringt ist.

Avignon Stadtmauer

Avignon Stadtmauer

Kunst vor der Stadtmauer in Avignon

Kunst vor der Stadtmauer in Avignon

Unser Navi-Girl quatschte sich den Mund fusselig an der Aussprache der teilweise langen Straßennamen und wir verstanden manchmal nur Bahnhof. Frederick kam schon so einiges verdächtig vor, als sie uns über eine Brücke leitete und mitten in die Altstadt führte. Das war eine Stadtbesichtigung per Auto „par excellence“, durch schmalste Straßen (wir waren hier das einzige sichtbare Wohnmobil, einziger Trost, die Busse, die sich vor uns durchdrängten), an Restaurant-Tischen vorbei, durch kleine Einbahnstraßen … bis Frederick die Sache selbst in die Hand nahm und wieder nach Nase und Bauch fuhr. Bloß raus hier aus dem Gewühl, an einem Samstagmittag! Und prompt hatten wir die richtige Straße, die richtige Brücke erwischt und steuerten erleichtert auf den Camping Platz La Bagatelle zu, dem von uns geliebten Campingplatz im zauberhaften Grünen! Hier waren wir vor fast genau vier Jahren während unserer allerersten Wohnmobil-Tour 2013. So müssten alle Plätze sein, großzügig bemessen, ein riesiges Blätterdach von Platanen über uns, das Halbschatten spendete und Rasenflächen. Wir waren gespannt, ob sich wohl etwas verändert/verbessert hätte und schauten uns nach der Anmeldung um.

Zunächst gefiel uns der zugewiesene Platz nicht.  Es gab noch viele weitere unbesetzte und Frederick wollte wegen der Satellitenschüssel freien Himmel über sich haben, damit es auch mit dem Fernsehen klappt. Nach einigem Rangieren hatten wir uns für unseren Platz entschieden und waren zufrieden. Der Fernsehempfang funktionierte. Das war wichtig wegen der Sportschau! Nun aber nichts wie los in die Stadt! Erst ein kleiner Spaziergang am Ufer der Rhone und ein Foto der Pont d´Avignon, der Brücke von Avignon, die ja eigentlich Pont Saint-Bénézet heißt, ein Foto vom Papstpalast gegenüber, dann hinein ins samstägliche Getümmel.

Anne vor der Pont d Avignon

Anne vor der Pont d‘ Avignon

Types Straßenbild in Avignon

Types Straßenbild in Avignon

Avignon (ca. 93.000 Einwohner) ist wunderschön, unbedingt mal besuchen, diese Stadt! Es lagen wieder einige Schiffe der Fluss-Kreuzfahrten am Ufer, auch eine Möglichkeit, die Stadt kennen zu lernen.

Wir ließen uns in dem sommerlichen Wetter treiben. Die Straßencafés und Restaurants waren gut besucht und die Atmosphäre einfach toll.

Päpstlicher Palast

Päpstlicher Palast

Glockenturm im Sonnengegenlicht

Glockenturm im Sonnengegenlicht

Glassfassaden-Spiegelung

Glassfassaden-Spiegelung

Natürlich sind in so einer Stadt, die touristisch so viel zu bieten hat, die Preise höher als in irgendeinem Kaff. Trotzdem spiele ich das Spiel nicht mit und bezahle nicht 3 Euro für eine Dienstleistungs-Kugel Eis, wir müssen sowieso abnehmen, da unser Fahrzeug an Übergewicht leidet! Wir liefen, liefen und liefen, auch die vielen Stufen hinauf, bis wir wieder am Päpstlichen Palast angelangt waren, in dessen Gärten wir vor vier Jahren schon einmal gewandelt waren. Heute war es so ganz anders als vor vier Jahren, drei Wochen früher und entsprechend kälter.

Bei dem heutigen Wetter hielt es offenbar niemanden zu Hause, viele Familien bummelten umher, machten Pique-nique (Picknick) auf den Rasenflächen und schienen glücklich. Die Aussicht über die Stadt ist traumhaft. Vielleicht schaffen wir es dieses Mal, den Palast zu besichtigen. Zeit genug haben wir ja noch, erst am Mittwoch wollen wir den Heimweg antreten.

Avignon Altstadt

Avignon Altstadt

Man könnte meinen, dies ist ein echtes Pony, ist aber aus Holz - einfach genial

Man könnte meinen, dies ist ein echtes Pony, ist aber aus Holz – einfach genial

Fürs erste genug gesehen, spazierten wir zurück, den kurzen Weg (ca. 10 Minuten!) zum Campingplatz. Kaum hatten wir Stühle und Tisch herausgeholt, hatten wir auch schon Besuch. Ein grau getigertes Kätzchen gesellte sich zu uns und bettelte um Futter. Sie hatte es auch nötig, als zukünftige Katzenmama! Etwas Milch konnte da nicht schaden. Kaum gereicht, kamen noch eine rote und eine schwarz-weiße Katze dazu, na toll! Nachdem auch sie versorgt waren (man sollte es ja eigentlich nicht tun, aber wer kann Katzen schon widerstehen …), ließen sie sich in unserer Nähe nieder und putzten sich.

Frederick schmiss den Grill an und legte sich ein Stück des vorgewürzten „Filet de Canard“ drauf, ja: Essen, wie Gott in Frankreich, gegrillte Entenbrust, endlich war es auch bei uns eingekehrt. Ich beschied mich mit einer deutschen Bratwurst, die musste weg. Dazu gab es Salat und zum Nachtisch frische Erdbeeren vom Feld und danach Sportschau.

Drei Katzen lauern schon auf das leckere Entenfilet vom Grill

Drei Katzen lauern schon auf das leckere Entenfilet vom Grill

Aber Frederick bekam das meiste

Aber Frederick bekam das meiste

Sonntag, 23. April 2017

Dieser herrlich gelegene Platz – eigentlich sehr ruhig gelegen. Aber wie es immer so ist, alles Gute ist selten beisammen. Während der Nacht ertönte in regelmäßigen Abständen ein Alarmsignal, das uns aus dem Schlaf riss. Wir wunderten uns ziemlich darüber und beschuldigten die Alarmanlage in irgendeinem der Fahrzeuge, vielleicht noch nicht einmal vom Platz, sondern von einem der parkenden Autos davor.

Ein Glück, dass wir immer mal wieder einschlafen konnten. Etwas geschlaucht von der unruhigen Nach standen wir auf und gingen zum Duschen. Die Sanitärräume waren neu in Weiß gestrichen, perfekt in Ordnung und sauber, eine Freude. Danach holte Frederick das vorbestellte Baguette aus dem Camping-Shop ab und wir frühstückten draußen. Da ließ Katze Nr. 1, dann 2, dann 3, nicht lange auf sich warten … Für sie gab es ein bisschen Hähnchenbrust, man teilt ja gern. Inzwischen haben sie sich verkrümelt und versuchen wohl ihr Glück beim nächsten Camper.

Ich wollte unbedingt ein bisschen schreiben, sonst verliere ich allmählich den Faden und für den/die eine(n) oder andere(n) ist unser Bericht vielleicht doch interessant.

Frederick ging noch einmal zur Rezeption, um „unserem“ Ruf gerecht zu werden (die Deutschen sind Weltmeister im sich beschweren …) und sich über die nächtliche und auch am Tage zu hörende Ruhestörung zu beschweren. Die nette Dame hinter dem Schalter entschuldigte sich und erklärte, dass der Alarm aus dem angrenzenden, seit zwei Jahren stillgelegten Schwimmbad käme und die Polizei wüsste auch schon Bescheid darüber. Bisher war es nicht gelungen, die Anlage abzustellen! Na, dann kann man ja wohl nichts machen und muss damit leben.

Wir machten uns bei bestem Wetter auf zu einem Spaziergang entlang der Rhone, mit vielen anderen auf der Promenade. Dieses Mal konnten wir dem Eisverkäufer nicht widerstehen und kauften Eis aus eigener Herstellung, „artesanales“ Eis, für 2,50 Euro die Kugel. In England heißt es dann immer „home made“. Es gab sogar einen kleinen Fähranleger mit einer 50-Personen-Fähre, die zum anderen Ufer übersetzte, kostenlos! Das ersparte uns, den Weg zurück und dann über die lange Brücke zu nehmen. Die Rhone-Fahrt dauerte exakt drei Minuten …

Fährfahrt über die Rhone

Fährfahrt über die Rhone

Siesta vor der Boutique

Siesta vor der Boutique

Auf der Pont d Avignon Brücke standen viele Besucher, die das Eintrittsgeld nicht gescheut hatten, wie wir vor vier Jahren. Dabei ist es viel schöner, von außen auf die Brücke zu sehen. Sie hat nur noch vier von den einst 22 Bögen. Im 12. Jahrhundert erbaut, hatte sie eine Länge von ca. 900 Metern und galt als die längste Brücke Europas. Inzwischen war mir auch der Besuch des Papstpalastes verleidet. Ich hatte einige Berichte von Touristen gelesen, die sich über den hohen Eintrittspreis von 11 Euro pro Person ausgelassen hatten und über die Kahlheit der Räume. Denn über die Jahrhunderte war der Palast, einst prunkvoll ausgestattet, als Gefängnis und Kaserne genutzt worden. Während der französischen Revolution war es zu Plünderungen gekommen. Kahle Wände wollten wir uns nicht ansehen, auch wenn sie noch so gewaltig waren. Da war es bei dem schönen Wetter in den Gärten und in der Stadt schöner (Kulturbanausen eben). In den engen Gassen und an den alten Häusern gab es genug zu entdecken und Frederick hatte die Kamera allzeit bereit.

Gleichförmige Wahlplakate

Gleichförmige Wahlplakate

Le Pen Plakate sahen häufig so aus

Le Pen Plakate sahen häufig so aus

Die Füße wieder mal rund gelaufen, gingen wir zurück zum Campingplatz und aßen Abendbrot. Von den Katzen war nichts zu sehen.

Montag, 24. April 2017

…. Aber zu hören, und zwar in der Nacht. Ein ganz leises Fiepen und Mauzen drang an mein Ohr: Die Babys! Die Katzenmama hatte ihre Kinder zur Welt gebracht! Gleich nach dem Aufstehen ging ich ums Wohnmobil herum und tatsächlich, direkt neben uns lag Mama mit vier kleinen Kätzchen in den Farben Weiß, 2x Schwarz-Weiß und Grau-getigert! Ein Teller mit Milch stand daneben. Wer hatte uns das denn angetan? Wundersam war, dass in der Nacht und dann auch tagsüber der Alarm verstummt war. Also ist das sich beschweren doch gar nicht so schlecht. Wir kümmerten uns um die Kätzchen (Sichtschutz, Futter und Milch), schade, dass wir die fünf nicht mitnehmen können. Das Tierheim in Eutin würde sich bedanken, die versuchen dort ständig, Katzen per Zeitungs-Anzeige loszuwerden.

Leider hatte Frederick sich Halsschmerzen eingehandelt und fühlte sich nicht wohl. Also das Bett hüten. Ich machte mich mit den Waschautomaten vertraut, modernste Maschinen in einem sehr sauberen Waschraum, auch ein riesiger Wäschetrockner ist vorhanden. Wir legten einen Faulenzertag ein. Das Wetter war gut und ich konnte draußen sitzen und lesen und immer mal wieder nach der Katzenfamilie sehen. Eine italienische Camper Familie kam vorbei und schaute auch nach ihnen. Sie verrieten, dass sie den Teller mit der Milch an unseren Wagen gestellt hatten und brachten – da sie weiterfahren wollten – auch gleich Katzenfutter vorbei: Hühnchen mit „haricots verts“, mit grünen Bohnen. Wusste ich gar nicht, dass Katzen grüne Bohnen mögen. Vielleicht essen in Frankreich sogar die Katzen anders, „haute cuisine“. Der Nachmittag verging, abends war leichte Kost für den Kranken angesagt und ein bisschen fernsehen.

Dienstag, 25. April 2017

Eigentlich sollte das ein schöner Tag werden, Fredericks Geburtstag! Die Sonne lacht vom Himmel, es ist warm, aber der Kranke fühlt sich immer noch nicht wohler, also weiter das Bett hüten. Ich werde später einen Spaziergang entlang der Rhone machen, habe noch ein paar Urlaubskarten geschrieben und vertreibe mir die Zeit mit Lesen. So kann ich das Wohnmobil „verschlanken“, vier Bücher lasse ich im Wäsche-Raum zurück, wieder Gewicht verloren ….

Da Frederick das Bett hütet, beschließe ich noch einmal, die 10 Minuten in die Innenstadt zu gehen. Über den Campingplatz laufend stelle ich fest, dass hier noch eine Unmenge von Katzen unterwegs ist, alle gut genährt. Da werden unsere vier kleinen Neuen gar nicht auffallen, ein schwacher Trost für das Zurücklassen.

Im Zentrum brummt es nur so von Touristen, sicher auch Einheimischen und Schaulustigen. Die vielen Cafés, Bars und Restaurants am Place de l´Horloge sind bestens ausgebucht, und das an einem normalen Wochentag. Ich bewundere noch einmal das schöne alte doppelstöckige Kinderkarussell, das seine Runden dreht, vor dem Hotel de Ville, dem großen Rathaus der Stadt. Gleich nebenan das Theater mit der Oper, auch ein schöner Bau. Aus der Patisserie, der Konditorei hole ich noch zwei Geburtstags-Erdbeertörtchen für den Daheim-Gebliebenen. Mal sehen, ob ihn das aus dem Bett lockt. Auf der Brücke ein letzter Blick auf die „halbe“ Brücke. Sofort habe ich das Kinderlied „Sur le Pont, d Avignon“ … im Ohr, das ja auch bei uns so bekannt ist. Ein Besuch bei der Katzenfamilie: alles in Ordnung. Vielleicht fahren wir am Mittwoch ab, vielleicht auch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat.

Der Trick mit den Erdbeertörtchen hat funktioniert und Fredericks Lebensgeister geweckt und er war froh, dass er etwas essen konnte.

Tatsächlich begann es gegen 18 Uhr zu regnen. Wir machten uns Sorgen um die Katzen. Ich konstruierte mit zwei aufgespannten Schirmen einen Baldachin und setzte das Gebilde auf die Hecke. So sollten die Katzen geschützt und schön im Trockenen bleiben. Wir krochen früh ins Bett, konnten aber nur schwer einschlafen, da der Regen dermaßen auf das Dach prasselte, dass es nicht mehr schön war. Gegen 3 Uhr morgens wachte ich auf und der Regen kam immer noch wolkenbruchartig herunter! Geradezu biblisch, ich dachte schon an eine Sintflut. Ich zog schnell die Jeans und die Regenjacke an, nahm eine Taschenlampe und ging nach draußen, um nach den Katzen zu sehen. Es war furchtbar, die Kleinen lagen bereits in einer feuchten Pfütze und die Mama war bis auf die Haut nass! Ich schnappte mir drei der Katzenbabys, die sofort losfiepten, die Katzenmutti miaute gleich um die Wette mit und trug sie ins Wohnmobil. Mama ließ mich nicht aus den Augen und kam gleich mit. Aber wo war bloß das vierte Kätzchen? Durch die Unruhe war auch Frederick wach geworden und meinte, ich sollte mal noch genau nachschauen. In strömendem Regen ging ich noch einmal hinaus und leuchtete die ganze Hecke ab, am Wohnmobil entlang, nichts zu finden. Ausgerechnet Mamas Ebenbild, die grau getigerte Katze fehlte – und die war natürlich auch besonders schlecht zu sehen.

Patschnasse Katze

Patschnasse Katze

Das getigerte Kätzchen (liegt obenauf) ging uns verloren

Das getigerte Kätzchen (liegt obenauf) ging uns verloren

Traurig vermuteten wir, dass vielleicht eine Ratte das kleine Tier geholt hätte. Im Wohnmobil legte ich als Nachtlager eine Decke auf den Boden. Die Katzenmutti beruhigte sich allmählich, nachdem sie sich umgeschaut hatte. Ich rubbelte sie mit einem Handtuch trocken und schon kümmerte sie sich wieder um ihre Brut. An Schlaf war danach lange nicht zu denken. Es regnete unaufhörlich.

Mittwoch, 26. April 2017

Gegen 9 Uhr morgens wachten wir wie gerädert auf, es war ruhig, der Regen hatte endlich aufgehört. Es war das erste Mal, dass wir solche Art Wolkenbruch über einen so langen Zeitraum erlebt haben. Die Katzenmutter schien zufrieden zu sein, fraß etwas vom angebotenen Futter und wollte dann unbedingt hinaus. Ich öffnete die Tür und schwupps – weg war sie. Wir vermuteten, dass sie mal musste und waren äußerst dankbar, dass sie sich gemeldet hatte! Wir ließen die Tür einen Spalt breit auf und zack – da war sie auch schon wieder zurück. Eine Minute später stand sie wieder vor der Tür und wollte noch einmal hinaus. Also wieder hinaus mit ihr – und – es ist kaum zu glauben, aber wahr: einen Moment später kam sie zurück mit dem verlorenen Kind „am Kanthaken“! Sie muss gehört haben, dass es gefiept hatte. Wir haben keine Erklärung dafür, wo sie es wohl gefunden hatte. Vielleicht unter dem Fahrzeug, denn es war trocken und sauber! Nun war die Familie wieder vereint, wie toll! Wir siedelten sie um in eine große Plastikkiste, mit einer Decke ausgelegt, da sie direkt vor der Tür im Wohnmobil doch im Wege war. Auch das akzeptierte die Katzenmutter. Wir konnten sie beim besten Willen nicht hinauswerfen, da draußen alles nass und matschig war.

Frederick hatte immer noch starke Halsweh. Er konnte kaum schlucken. Ich ging zum Shop, erklärte unser Gesundheitsproblem und fragte nach einem Arzt, der eventuell per Taxi zu erreichen wäre. Das Mädel hinter dem Counter empfahl eher den Besuch in der Ambulanz des Krankenhauses. Ich buchte unseren Stellplatz für eine weitere Nacht und schlug Frederick den Krankenhausbesuch vor. Aber das wollte er nicht wegen möglicherweise stundenlangem Wartens in der Aufnahme! Also raffte er sich am Nachmittag auf und wir gingen zur Apotheke in die Stadt. Natürlich bekommt man auch in Frankreich keine Antibiotika ohne Rezept. Deshalb schlug die Apothekerin vor, doch den Arzt aufzusuchen. Sie empfahl eine Praxis direkt in der Straße hinter der Apotheke gelegen. Wir fanden die Adresse auch gleich und setzten uns ins Wartezimmer. Eine Sprechstundenhilfe und eine Anmeldung gab es nicht, der Arzt war eine One-Man-Show. Nachdem er die drei anderen Patienten verarztet hatte, war Frederick an der Reihe. Der Arzt sprach ein wenig Englisch, aber bei dem roten Hals konnte es gar keine Sprachprobleme geben, er sah sofort, dass es sich um eine starke Entzündung handelte, hörte Frederick ab und war sehr mitfühlend und sympathisch. Für die Konsultation bezahlte Frederick 40 Euro gegen. Der Arzt geleitete uns zur Tür und verabschiedete uns. Nochmal zur Apotheke und endlich die Antibiotika sowie drei weitere Medikamente für insgesamt nur 25 Euro, hoffentlich die Rettung!

Zurück am Campingplatz, sprachen wir mit einer der Damen hinter dem Counter über das Katzenproblem, da wir am nächsten Morgen abreisen wollten – vorausgesetzt Frederick würde wieder fit sein – und nicht wussten, wohin mit ihnen. Sie erklärte sich sofort bereit, den Tierarzt zu verständigen. Auf meine Nachfrage, ob es mit dem Tierschutzverein zu tun hätte, verneinte sie, nein, es käme der Vet(erinär). Das gab uns doch zu denken. Was würde passieren? Wir befürchteten das Schlimmste, denn „wilde“ Katzen sind ja nicht gerade beliebt … Den ganzen Nachmittag überlegten wir, was zu tun wäre, schauten uns draußen nach einem sicheren Platz für die Katzenfamilie um. Die hatte sich gut benommen, so allein im Wohnmobil in ihrer Luxuskistenwohnung.

Ich räumte meine nutzlosen Schirme von der Hecke und wir rüsteten uns für die Abreise am Donnerstag. Frederick nahm fleißig die Medizin ein und konnte nur auf Besserung hoffen.

Wieder eine unruhige Nacht, die Katzenmama kratzte an der Tür und wollte unbedingt austreten.

Donnerstag, d. 27. April 2017

Morgens ging es Frederick ein wenig besser und fühlte sich fit genug für die Weiterfahrt. Da unser Internet-Volumen aufgebraucht war, entschieden wir uns dafür, möglichst schnell nach Deutschland zu gelangen, denn dort würde uns das Internet wieder zur Verfügung stehen. Nach dem Frühstück stand uns der Abschied von den süßen Katzen bevor. Wir hatten entschieden, sie in einer großen Plastikschale, ausgestattet mit der Decke unter einen leerstehenden Campingwagen zu schieben, damit sie bei dem schlechten Wetter wenigstens ein Nest im Trockenen hatten. Begeistert war die Katzenmutter nicht, als wir diese Umsiedlung vornahmen. Als Frederick ein paar Minuten später auch noch das Futter hinbringen wollte, war sie schon mitsamt den Kleinen aus diesem Heim geflüchtet! Weit und breit nichts zu sehen! Wir hoffen, dass sie sich selbst ein besseres Heim gesucht hat.

Wir mussten nun weiterfahren, in großer Unruhe. Wir erinnerten uns zurück an eine ähnliche Situation. 2010 hatten wir fünf Monate in der Bretagne gewohnt. Auf einem unserer Spaziergänge wollte uns unbedingt ein kleiner Hund aus dem Ort begleiten. Wir wurden ihn gar nicht los und er trabte mit uns über zwei Stunden durch den Wald, teilte mit uns belegte Brote und Wasser. Zurück im Ort, fragten wir im Laden nach, ob der Hund jemandem bekannt war, leider nicht. Man schickte uns zur „Mairie“ (Gemeindeverwaltung). Dort sagte man uns, dass der Hund im Laufe des Nachmittags von einem Mitarbeiter des Tierheimes bei uns in der Ferienwohnung abgeholt werden würde.

Leider konnten wir selbst den süßen Hund nicht behalten, weil wir unseren 20 Jahre alten Kater dabeihatten, der Hunde überhaupt nicht ausstehen konnte! Wir mussten die beiden also getrennt voneinander „aufbewahren“. Am Nachmittag wurde der Hund dann abgeholt. Bis heute denken wir mit sehr schlechtem Gefühl an die Situation und nun traf es uns wieder! Für die nächsten Wochen ist das „K“-Wort bei mir verboten, ich werde keine Katze mehr anschauen.

 

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