Pont-à-Mousson

 In 2017, Frankreich

Samstag, 8. April 2017

Dann endlich entschieden wir uns für die direkte Fahrt nach Metz und wollten über die Landstraße durch beschauliche französische Dörfer mäandern. Blöderweise landeten wir versehentlich auf der mautpflichtigen Autobahn. Ein kleines Auto hätte bestimmt so gut wie nix gekostet, unser Kasten brachte am elektronischen Übergang 7,20 Euro auf die Rechnung. Irgendeinem Reisemobil-Schlaufuchs hatten wir hinterher die Information zu verdanken, die elektronischen Übergänge zu meiden und die mit Personen besetzten zu wählen. Dort geht es nach Augenmaß und manchmal kommt man billiger davon, wieder was gelernt!

Bereits nach 40 km bogen wir ab und folgten dem Schild „Metz“. Frühes Kommen sichert die besten Plätze. Das ist bei Wohnmobilfahrern besonders der Fall. Leider war es bereits später Nachmittag und deshalb war der kostenfreie Stellplatz auch schon bis zum Überquellen besetzt. Warum? Viele der Reisemobil-Überwinterer aus Spanien und Portugal befanden sich auf dem Rückweg nach Nordeuropa und legten hier eine Pause ein. Der kleine und extrem enge Platz war vollbesetzt, aber schon kam ein Franzose zu uns und erzählte uns, dass er wegfahren wollte und sagte, wir könnten seinen Platz haben.Toll, Glück muss man haben. Ein bisschen gekurvt, und mit einem halben Meter (!) Platz auf jeder Seite parkte Frederick ein.

Gleich gegenüber war die Ver- und Entsorgungsstation. Eigentlich hätte es ganz nett am Fluss sein können, etwas Grün um uns herum. Der junge Mann neben uns warnte aber gleich vor dem Betreten jeglicher Grünflächen: der Nachbar-Reisende hatte fünf Welpen und die Hundemama dabei und führte sie mehrmals am Tag auf die Anlagen …. Und dann fanden wir auch noch heraus, dass die Sanitär-Station nicht funktionierte, es gab kein Frischwasser! Nichts wie weg von diesem grauenhaften Platz!

Frederick fand auf der Promobil-App einen Stellplatz im Ort Pont-à-Mousson, ca. 30 Minuten entfernt, am Bootshafen an der Mosel gelegen. Als wir ankamen, leuchtete uns das Schild „Complet“ entgegen, „Besetzt“. Schade, denn es war ein sehr schöner Platz. Auch hier war es für uns dasselbe Problem, die Rückkehrer auf Zwischenstopp bevölkerten den Platz! Der hilfreiche Platzwart erlaubte uns aber, für 2 Euro Frischwasser zu tanken und die Entsorgung vorzunehmen, ein Glück! Dann empfahl er uns als Notlösung einen normalen Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Mosel im Stadtzentrum. Da stehen wir nun, das einzige Wohnmobil zwischen all den anderen geparkten Autos, aber wenigstens kostenlos, ein schwacher Trost.

Übernachtung auf Großparkplatz in Pont-à-Mousson

Übernachtung auf Großparkplatz in Pont-à-Mousson

Stellplatz an der Mosel

Der schöne Stellplatz an der Mosel, der leider besetzt war

Wenigstens sollte ein nettes Essen in einer Pizzeria dabei herausspringen, wir fanden aber keine, die Restaurants waren uns – wie immer in Frankreich – zu teuer, allein die Vorspeise für 12,50 Euro. Also endeten wir mit dem langersehnten, echten französischen Baguette vom Bäcker für 1 Euro und unsere Wohnmobilküche erfreute uns mit Currywurst, Weißkrautsalat und dem herrlich frischen Brot, das nirgendwo so schmeckt wie hier, runtergespült mit einem Schluck Moselwein.

Bei unserem Abendspaziergang überquerten wir noch einmal die Moselbrücke und sahen die Gedenktafel: Brücke zerstört in 1942, wieder aufgebaut in 1949. Nirgendwo sonst so häufig wie in Frankreich treffen wir auf die Erinnerungen und Mahnmale an den Ersten und Zweiten Weltkrieg und werden nachdenklich und dankbar, im Hier und Jetzt zu leben.

Moselbrücke und Kirche mit zwei Türmen

Moselbrücke und die St. Martin mit den zwei Türmen

Sonnenuntergang an der Mosel

Sonnenuntergang an der Mosel

Unterwegs sprach uns ein junger Mann an, er hatte wohl ein paar deutsche Wortfetzen aufgeschnappt und wollte seine Sprachkenntnisse anbringen. Es ging von „Guten Tag“ über „Viel Spaß in dieser Stadt“ bis hin zum Kurzbericht, dass seine Verwandten in Hannover lebten und er Marokkaner sei. Wir winkten uns einander zu und liefen weiter, zurück zum Wohnmobil. Dort zauberte die Küchenfee das schnelle Abendbrot, frischen Salat, das herrliche französische Baguette aus der Boulangerie und – Currywurst, nun müssen wir auf den nächsten Einkauf bei ALDI oder LIDL warten …

St. Martin Kirche

St. Martin Kirche

Unser 1. Baguette auf dieser Tour

Unser 1. Baguette auf dieser Tour

Gedenktafel, die an die Zerstörung der Brücke 1944 erinnert

Gedenktafel, die an die Zerstörung der Brücke 1944 erinnert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, d. 9. April 2017

Die Nacht verlief ruhig, Gott sei Dank ohne Geklopfe am Wohnmobil und Gegröhle, wir standen schließlich mitten im Ort auf belebtem Platz und haben das schon ein paarmal erlebt. Nur die Glocken vom Kirchturm vermeldeten jede ¼ Stunde, wir sind in katholischen Landen unterwegs.

Nach dem Frühstück stellte Frederick das Navi auf unser nächstes Ziel „Colmar“ ein und los ging´s, mitten durch die Stadt durch sehr enge Gassen. Bevor Frederick auf sein Bauchgefühl hören und reagieren konnte, saßen wir schon beinahe fest: In einer dieser Gassen war die Straße ohne vorheriges Hinweisschild halb aufgerissen und mit rotweißen Metallgittern gesichert. Zurück ging gar nicht, da wir gerade rechts abgebogen waren und uns ein Auto an der Stelle entgegenkam. Mit angehaltenem Atem und „eingezogenem Bauch“ fuhr er langsam an uns vorbei. Wir fuhren dann vorsichtig weiter, als uns das nächste Auto entgegenkam. Dieser Fahrer kannte keine Gnade und bedeutete uns: Zurückfahren, sofort! Das tat Frederick auch vorsichtig und umsichtig, aber trotzdem, dem Geräusch nach waren wir an einer Absperrung entlang geschrammt. Aber die Wende auf gerademal 10 Metern gelang dann ohne weitere Schrammen.

Saarlouis - Metz - Pont-à-Mousson

Saarlouis – Metz – Pont-à-Mousson

Farbkratzer auf dem Lack

Farbkratzer auf dem Lack

Froh, aus dieser Straße herausgekommen zu sein, fuhr Frederick nur noch nach „Nase“ weiter bis wir aus der Stadt heraus waren.  Nancy ließen wir „links“ (rechter Hand) liegen, von Großstädten wollten wir nichts wissen, sondern freuten uns auf das liebliche Elsass. Wir fuhren durch die Vogesen und durch das Grand Pays de Colmar, einem abwechslungsreichen Landstrich von Bergen, Tälern, Weinhängen und Wäldern.

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