Dover

 In 2015, England

Mittwoch, 1. Juli 2015
Dover und die Wirren um einen Platz auf der Fähre

Nach der Besichtigung von Deal ging es weiter nach Dover, der letzten Station auf unserer Großbritannien-Rundfahrt. Wir fuhren so weit wie möglich entlang der Küstenstraße, die manchmal schon recht eng wurde und bei Gegenverkehr bangten wir schon wieder um unseren rechten Außenspiegel. Aber es ging alles gut. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt erreichten wir gegen 17 Uhr Dover. Als erstes wollten wir kurz zum Hafen und nachfragen, ob wir eine Fähre früher nehmen könnten. Das ist nämlich im Deal enthalten: eine Fähre eher oder eine später, ohne Zuzahlung.

Es ist jetzt wichtig, zu erwähnen, dass in Calais die Mitarbeiter der Fährbetriebe streikten. Dies hat bereits seit einiger Zeit zu chaotischen Verhältnissen in Calais und Dover geführt. Ihr werdet wahrscheinlich Fernsehbilder von den Flüchtlingen in Calais gesehen haben, die die Gunst der Stunde zu nutzen versuchten, in die parkenden LKW’s einzudringen. Auch auf der englischen Seite standen die LKW’s bis zu 50 km im Stau und das bei Temperaturen um die 30 Grad. Das reinste Chaos. Was wir da sahen, erschreckte uns gewaltig: kein Ende abzusehen, die Schlange der Lkw’s! Die Fahrer taten uns leid, in dieser Hitze stundenlang  in den Wagen zu sitzen,  denn mittlerweile befand sich England in der angekündigten Heatwave!

Wartende LKWs in Dover

Wartende LKWs in Dover

Auch für uns war nicht ganz klar, wie und wann wir nach Frankreich kommen würden. Daher riefen wir beim Fährbetreiber DFDS an. Am Telefon wurde uns gesagt, so früh wie möglich zum Abfahrtsterminal zu kommen, so dass man uns einen Platz auf einer Fähre organisieren könnte. Wir hatten die Fähre um 2.00 Uhr morgens gebucht.

Als wir in Dover ankamen stellten wir mit Schrecken fest, dass alle Straßen mit LKWs vollgestellt waren. Daher verpassten wir die direkte Zufahrt zum Terminal und landeten dann im fast 10 km entfernten Folkestone. Kurz vor Folkstone konnten wir von der Autobahn abbiegen. Über eine Nebenstraße gelangten wir zurück in den westlichen Teil von Dover. Dabei kamen wir an einer Ford-Werkstatt vorbei. Frederick nahm die Chance wahr, das Kühlmittel der Klimanlage auffüllen zu lassen. Die Rechnung belief sich auf 60£. Keine Ahnung, ob es in Deutschland günstiger gewesen wäre. Wir brauchten eine intakte Klimaanlage JETZT!! Nach einer kurzen Wartezeit war auch alles erledigt und weiter ging es Richtung Fährterminal. Die Schlange der Lastwagen, die sich auf dem Weg zu den Fähren befand, war unglaublich lang! Doch die Lastwagen besetzten nur eine Spur und so konnten wir in der freien Außenspur direkt zum Terminal fahren.

Am Check-in-Schalter erfuhren wir dann, dass es auf der nächsten Fähre keinen Platz für uns gab. Kommen Sie bitte um 19 Uhr zurück sagte man uns und schickte uns über Hinterausgänge wieder zurück in die Stadt. Wir wollten uns Dover sowieso noch mal ansehen, fuhren also wieder Richtung Zentrum, aber keine Parkmöglichkeit in Sicht für das Wohnmobil. Da wir noch ein paar Dinge kaufen mussten, fuhren wir daher zu einen Supermarkt und erledigten dort unsere Einkäufe. Es lohnte kaum, sich wegzubewegen, also parkten wir dort bis kurz vor 19 Uhr (Frederick machte noch ein Nickerchen) und liefen dann den Hafen erneut an. Wieder standen am Abfertigungsschalter. Wieder war es nichts mit einem Platz auf der Fähre. Das Mädchen am Schalter bot uns dann aber einen Platz auf der 22 Uhr Fähre an. Das klang ja toll, doch dann der Wermutstropfen, dafür sollten wir 92 € draufzahlen. Frechheit! Wahrscheinlich hatte man uns deshalb auch am Telefon gesagt, früher zu kommen, in der Hoffnung uns einen Platz verkaufen zu können. Was für eine üble Machenschaft! Wir lehnten entrüstet ab.

Dieses Mal sagte uns das junge Mädchen am Schalter, wir möchte bitte gegen Mitternacht wiederkommen!! Wir sollten berücksichtigen, dass die Fähre sich um ca. zwei Stunden verspäten würde. Für uns bedeutete das also statt zwei Uhr, vier Uhr morgens. Erneut fuhren wir Richtung Stadt, versuchten einen Stellplatz zu finden, das war dann eher Richtung Burg an einer Straße. Es war immer noch sehr heiß und schwül. Im fahrenden Auto (dank aufgefülltem Kühlmittel) hatte uns das nicht gestört, aber jetzt waren wir langsam müde geworden und an Dover hatten wir das Interesse verloren. Es blieb das Aufarbeiten der Berichte und der Fotos. Gegen 22 Uhr kochten wir geradezu im Wohnmobil, es war unerträglich warm. Frederick nahm meinen Vorschlag, ein paar Fotos von „Dover by Night“ zu machen, begeistert auf und wir marschierten los. Den Wanderweg zur Burg wollte ich nicht gehen, das war mir zu unheimlich bei der Dunkelheit. Frederick verschwand dann im Dunkeln und ich entschied mich, unten am Pfad zu warten.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Frederick zurück kam. Er hatte doch tatsächlich die angestrahlte Burg „im Kasten“, ein schönes Foto! Dann gingen wir hinunter in die Stadt, kamen am „ältesten Pub Dovers“ (von 1759) vorbei, kehrten dort ein und zischten ein Bier in dieser verlotterten Kneipe, die sich auf einem Gebiet befindet, das gerade erneuert wird: eine bitter nötige Stadterneuerung! Der Rest, den wir von Dover sahen (Hauptstraße), müsste gleich mit einbezogen werden… Potential, alte Häuser, aber vieles heruntergekommen! Im Zentrum gelangen Frederick dann doch noch ein paar Snapshots von „Dover by Night“.

Dover Castle by Night

Dover Castle by Night

Schönes Tudor-Stil Fachwerk

Schönes Tudor-Stil Fachwerk

Bingo-Halle in Dover

Bingo-Halle in Dover

Springbrunnen in Dover

Springbrunnen in Dover

Pub in Dover an einem warmen Abend

Pub in Dover an einem warmen Abend

Abschiedsdrink in einem Pub in Dover

Abschiedsdrink in einem Pub in Dover

Döner Imbiss in der Nacht

Döner Imbiss in der Nacht

Außer uns waren um 11 Uhr abends nur noch ein paar grölende Jugendliche unterwegs. Frederick bestand darauf, für den Weg zurück zum Wohnmobil einen längeren Umweg zu wählen. Wir gingen durch ein dann doch recht hübsches Wohnviertel, schon eher Villen-mäßig. Es ging bergan, ein gutes Zeichen, da es ja Richtung Burg sein musste.

Der Weg zog und zog sich hin, bis wir an allen Straßenbeleuchtungen vorbei waren und im Dunkeln tapsten und nur mit Taschenlampe (iPhone) den Weg meisterten. Ich hatte mich schon die ganze Zeit darüber geärgert, dass wir nicht dieselbe Route genommen hatten, die wir gekommen waren. So geisterten wir durch die Nacht, irgendwo in Burgnähe. Endlich tauchten wieder ein paar Lichter auf und wir kamen an die Straße, wo unser Wohnmobil geparkt stand.

Dort legten wir uns noch für eine Stunde aufs Ohr (stellten vorsichtigerweise den Wecker) und standen dann kurz nach Mitternacht wieder am Abfertigungsschalter im Hafen. Doch die Enttäuschung war groß. Wieder kein Platz und wieder mussten wir zurück in die Stadt. Uns wurde gesagt, um 3.30 Uhr wieder zu kommen.

Auf unserem Spaziergang durch das abendliche Dover hatten wir ein paar Wohnmobile gesichtet, die auf einem industriellen Platz in der Nähe des Stadtzentrum parkten. Dorthin fuhren wir jetzt, gesellten uns zu den anderen Wohnmobilen, zogen die Vorhänge zu und legten uns für zwei Stunden schlafen. Um 3.20 klingelte der Wecker. Benommen kletterten wir aus der Koje, und 10 Minuten später waren wir wieder im Hafen. Doch diesmal landeten wir in einer langen Schlange, die sich kaum vorwärts bewegte. Als wir nach einer Stunde endlich am Abfertigungsschalter waren, erhielten wir dann unsere Boarding Papiere sowie die Information, dass die Abfahrt der Fähre sich nochmals um eine weitere Stunde auf 5 Uhr verzögern würde. Um 5.45 waren wir schließlich auf der Fähre, die dann um 6.10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein ablegte.

Die weißen Kreidefelsen von Dover bei schönem Wetter zu erleben, ist schon etwas Besonderes! Als die Fähre ablegte, beschlich uns wie so viele Male zuvor ein sehr wehmütiges Gefühl. Über die Jahre haben wir ein so enges Band zu England entwickelt, dass es wie eine zweite Heimat für uns ist, MINDESTENS!

Versprochen: wir kommen wieder!

Auf dem Schiff kamen wir mit einer jungen Reisenden ins Gespräch. Eigentlich hätte ihr Bus bereits am Montag abfahren sollen, doch nun war es schon Donnerstag, alles nur wegen des Streiks! Sie hatte das Glück, bei Verwandten untergekommen zu sein, für die übrigen Reisenden war es schwierig gewesen. Der Busfahrer hätte weder deutsch noch englisch sprechen können … Mit Wasser wären sie bei der Hitze auch nicht versorgt worden, ein echter Albtraum!

Für weitere Fotos hier klicken

Kurz vor der Abfahrt in Dover

Kurz vor der Abfahrt in Dover

Ade England, bis zum nächsten Mal

Ade England, bis zum nächsten Mal

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