Åland Inseln (Finnland)

 In 2017, Finnland

Montag, 17. Juli 2017

Fähre zu den Åland Inseln – erste Besichtigung von Mariehamn

Frederick hatte den Wecker gestellt, da unsere Fähre um 9.15 Uhr ablegen sollte und man ca. eine Stunde vorher am Terminal sein muss. Das klappte auch so einigermaßen, nach durchhusteter Nacht (Anne!) … und ohne Frühstück. Frederick meinte sogar sich erinnern zu können, dass an Bord Frühstück serviert würde, so waren wir gespannt. Die Überfahrt dauert ca. 4 1/2 Stunden. Nach Pass- und Ticketkontrolle fuhren wir in die uns vorgegebene Reihe 27 und waren das letzte von drei Autos. Wir wurden auch als letzte auf die Fähre gelassen, nach uns kam niemand mehr. Das bedeutete aber auch für Frederick, auf der Fähre einmal zu wenden und mit dem langen Fahrzeug rückwärts einzuparken, doch das klappte problemlos! Somit dürften wir wohl die ersten von Bord sein, auf der anderen Seite! Wie immer auf Fähren, schaltete Frederick das Gas ab und kabelte uns am Bordstrom an, das ist immer ein bisschen Tüddelei, aber nicht zu ändern. Schließlich muss das Bier im Kühlschrank weiter gekühlt bleiben!

Auf Deck 7 befindet sich das Restaurant und siehe da, nahezu alle Passagiere fanden sich dann auch gleich zum Frühstücksbuffet ein: Von Pyttipanna (gebratene Kartoffelstückchen mit Speck und Zwiebeln), viel Fisch, Rührei, Käse, Wurst bis zum Abwinken, Kaffee, Säfte, Fruchtsalat und Blaubeerjoghurt. Das alles ist im Fahrpreis enthalten, toll! Frederick schlug voll zu, ich begnügte mich mit Knäcke und Käse, meine Erkältung verdirbt mir ein bisschen den Appetit.

Wir sitzen dem Spiele-Land der Kinder gegenüber und es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie Eltern und Kinder 4 1/2 Stunden Fähre bewältigen. Mir fällt auf, dass es viele Familien mit drei oder vier Kindern gibt. In Deutschland sieht man das ja nicht allzu oft. Die Kleinsten sind oft die Schreihälse, sie müssen sich gegen die Großen, die die Lütten ja gern ärgern, durchsetzen …. Hier kriegt man das so richtig gut mit, allerorten hört man das Quengeln und Greinen. Die Geduld von Mama und Papa ist schier endlos …Aber in der Spiele-Station geht es überwiegend friedlich zu. Da scheinen sich Kabbeleien von selbst zu erledigen! „Gebt den Kindern das Kommando“ …

Während es heute Morgen in Kappelskär noch total bedeckt und auch etwas kühl war, wurde das Wetter während der Überfahrt immer besser. Bei der Ankunft in Långnäs schien dann die Sonne bei angenehmen 19°. Hier war es mittlerweile ca. 15 Uhr, die Uhr hatten wir ja inzwischen auf Åland-Insel Zeit eine Stunde vorgestellt …

Ankunft in Långnäs auf den Åland Inseln

Ankunft in Långnäs auf den Åland Inseln

Kapellskär - Långnäs (Åland Inseln)

Kapellskär – Långnäs (Åland Inseln)

Die Fahrt ins Zentrum dauerte nur etwa 25 Minuten und hej, da waren wir schon an der wunderschönen Promenade und am Hafen von Mariehamn mit seiner Unzahl an Yachten. Wir rangierten noch ein bisschen umher und fanden dann den besten Ställplats (schwedische Schreibweise!), den es je gab für uns: direkt an den Bootsstegen. Einen über den Durst trinken geht hier nicht, wahrscheinlich würde ich gleich beim Heraustreten aus der Tür ins Meer stürzen! Bzw. in „unser“ schönes Boot fallen, das gleich neben uns liegt, wie praktisch!

Wir wanderten bei dem guten Wetter gleich los und erkundeten die Gegend. Frederick kannte sich ganz gut aus, hatte er doch mit Cousin Matthias vor einigen Jahren einen Segeltörn gemacht und sie hatten zwei Tage in Mariehamn gelegen. Wir bummelten durch die hübsche Einkaufsstraße Torggatan, die von Cafés, kleinen Läden und Restaurants gesäumt war. Es gibt auch eine große, überdachte gemütliche Einkaufspassage, die Galleria, an deren Eingang die Statue des Gründers steht: Nikolai Sittkoff, Viktualienhändler. Womit handelte er also? richtig, mit Lebensmitteln. Dass er sein Geld auch mit Schiffsbeteiligungen und weiterem Handel verdiente, erfuhren wir später im Maritimen Museum.

Nikolai Sittkoff mit Möwe

Nikolai Sittkoff mit Möwe

4-Mast Bark Pommern

4-Mast Bark Pommern

Wir liefen die fast schnurgerade Straße vom Westhafen zum Osthafen, wo sich noch einmal ein tolles Bild bot. Liegeplätze für weitere schicke Boote und Yachten. Auf diesem Ende war auch das Gebäude des Maritimen Museums, das wir Dienstag besuchen wollten. Nun musste erst mal nach der „Pommern“ gesucht werden, und immer entlang der Promenade kam sie endlich in Sicht. Wie schade, ihr Deck lag unter einer Plane, sie wird gerade restauriert und ist erst ab Februar 2018 wieder zu besichtigen. Das Schiff ist eine 1903 in Glasgow gebaute Viermastbark mit einer Länge von 106,5 m, Schiffstyp Frachtsegler, Besatzung 26 Mann. Nach nur vier Rundreisen mit dem Ziel Chile (ausreisend Kohle, heimreisend Salpeter) landete die „Pommern“  nach verschiedenen Verkäufen in die guten Hände der Reederei Laeisz, Hamburg. Da lief das Schiff aber noch unter dem Namen Mneme. Bei Laeisz war es seit 1876 üblich, allen Schiffen einen mit „P“ beginnenden Namen zu geben und so erhielt die Bark den Namen Pommern. Damit wurde sie eine der legendären Flying P-Liner. Hierzu gehören ebenso die Passat (in Travemünde zu besichtigen), die Peking in New York (ebenfalls Museumsschiff), die Parchim, die Parma,  weitere und die 1957  bei den Azoren gesunkene Pamir. Uns blieb nur das Staunen über den gewaltigen Rumpf des Schiffes und das Alter!

Ganz in der Nähe lag die Roald Amundsen vor Anker, Heimathafen Eckernförde. Sie wurde 1952 als Stahlschiff  in Roßlau an der Elbe gebaut und wird heute als Trainingsschiff eingesetzt. Ziel der Fahrten ist es, Menschen die klassische Seemannschaft auf Traditionsschiffen/seglern  nahezubringen. Dieses Segelschiff hat eine Länge von ca. 52 Metern. Wir waren auch von diesem Schiff begeistert, wie schön muss es erst unter vollen Segeln aussehen! Stammcrew umfasst 16 Personen, es können 32 Trainees aufgenommen werden.

Unser toller Stellplatz am Lilla Holmen

Unser toller Stellplatz am Lilla Holmen

Die Pommern und die Roald Amundsen

Die Pommern und die Roald Amundsen

Mast der Roald Amundsen

Mast der Roald Amundsen

Von einer Hafenseite auf die andere zu laufen, macht einfach Spaß! Schöne und auch alte bunte Holzhäuser mit großen Gärten, in denen Obstbäume stehen. Die Straßen sind von hohen Bäumen gesäumt, zudem spielte das Wetter perfekt mit, ein Schweden- Pardon hier: Finnlandsommer!

Auf dem Rückweg kauften wir im Supermarkt noch etwas ein. Ich war von Frederick zwar vorgewarnt wegen der höheren Preise, aber 8 Euro für eine Schale Erdbeeren gingen mir dann doch zu weit! Das Preisgefüge im Vergleich zu Deutschland scheint hier beinahe die Verdoppelung zu sein, vielleicht nicht bei allen Produkten, aber bei einigen: Normales Meterbrot 3,40 Euro, 0,3l Mineralwasser 2 Euro. Wir waren froh, dass unser Kühlschrank noch gut gefüllt war.

Vor 6 Jahren war Frederick hier schon einmal - mit Cousin Matthias

Vor 6 Jahren war Frederick hier schon einmal – mit Cousin Matthias

Restaurant am Westhafen

Restaurant am Westhafen

Zurück am Wohnmobil genossen wir den abendlichen Ausblick auf Hafen, Boote und  Möwen und bereiteten unser Abendessen zu.

Die Nacht sollte dann lustig werden. Ein paar junge Leute kamen gegen Mitternacht mit Autos, Mopeds, Motorrädern – Musik volle Lautstärke – angedüst in unsere beschauliche Ecke, keine Durchgangsstraße. Sie unterhielten sich total laut, sangen und wollten uns wohl alle beschallen. Kaum war es den ersten langweilig geworden und sie sausten unter Vollgas mit quietschenden Reifen ab, kam die nächste Truppe. Das ging so 1 1/2 Stunden und scheint so eine Art Streiche spielen zu sein … Ich habe mich darüber geärgert, Frederick war im Tiefschlaf …Außerdem schrieen Möwen und andere Wildvögel die halbe Nacht um die Wette! Irgendein besonders lauter Ruf war dabei, den ich nicht identifizieren konnte … den hatte sogar Frederick mitbekommen!

Dienstag, d. 18. Juli 2017

Erkundung von Mariehamn – Besuch im Seefahrtsmuseum

Schreck in der Morgenstunde: Die Milch fürs Müsli ist warm, der Kühlschrank funktioniert nicht! Na, ist ja auch lange nix gewesen … Frederick probierte ein bisschen herum, zückte auf meinen Rat (was Männer ja besonders gerne mögen) die Gebrauchsanweisung und dann dämmerte es ihm: auf der Fähre muss man ja immer den Haupthahn zum Gas ausstellen und eigentlich hätte der Kühlschrank sich auf Strom (auf der Fähre am Stromanschluss) umschalten müssen. Irgendetwas hatte wohl nicht geklappt. Nun noch mal die Einstellung nach Anweisung und schon leuchtete das grüne Licht (grün ist immer gut!) wieder auf. Problem offenbar gelöst, abwarten und beobachten.

Gleich nach dem Frühstück brachen wir für eine lange Wanderung auf. Wir stehen mit dem Wohnmobil in einer Sackgasse, am Ende führt eine Brücke auf die nächste Landzunge und hier ist auch ein gut besuchter Badeplatz. Im Wald gibt es ein kleines Café, auf einer Wiese begegnen wir einer großen Anzahl von Weißwangen-Gänsen und da entdecken wir auch den nächtlichen Schreihals: einen eitlen Pfau! Nach Radschlagen war ihm leider nicht zumute, so stolzierte er nur umher und stellte sicher, dass wir auch alle sein schönes Federkleid bewunderten.

Weißwangengänse am Strand

Weißwangengänse am Strand

Idyllischer Zeltplatz direkt am Strand

Idyllischer Zeltplatz direkt am Strand

Wir kamen am Campingplatz Gröna Udden vorbei und schauten gleich einmal rein: Eine Übernachtung mit zwei Personen und Wohnmobil kostet 35 Euro inklusive Strom. Wir stehen ja eigentlich – wenn auch nicht ruhig, dafür kostenlos – ganz hübsch dort am Hafen und entscheiden uns gegen einen Umzug. Gröna Udden ist aber eine sehr schöne Anlage in natürlicher Umgebung mit Badeplatz. Es gibt einen Minigolfplatz, man kann Fahrräder leihen, ein Grillplatz ist vorhanden und – auch ein Campingplatz muss mit der Zeit gehen – sogar eine Segway-Bahn ist angelegt!

Wir verließen den Campingplatz und schlugen uns quer durch zu einer der langen Straßen (Skillnadgatan) in Richtung Fähranleger, wo auch Kreuzfahrtschiffe anlegen. Von hier aus gehen die Fähren zum finnischen Festland und nach Schweden ab.

Ein uriger Wanderweg führt uns am eingezäunten Fährterminal-Gelände entlang. Die Landschaft wird beherrscht vom rosa bis rot-farbenen Granit, der auf den Åland-Inseln vorherrscht und vom Grün der Kiefern und anderer Bäume. Und dann beeindruckt uns immer wieder dieses umwerfende skandinavische Himmelsblau und die Wolkenformationen, eine Freude für den Fotografen!

Gerade hatte die Viking, ein Kreuzfahrtschiff angelegt und wir beobachteten die Geschäftigkeit, die ankommende und abreisende Passagiere mit sich bringt.

Früheres Abfertigungsgebäude der Fähren

Früheres Abfertigungsgebäude der Fähren

Das Åland Lzyeum

Das Åland Lzyeum

Zurück am Wasser entlang und bevor wir zu müde vom Schauen wurden, machten wir uns auf zum Museum. Ein Besuch dort war uns von verschiedenen Freunden, die Mariehamn per Segelboot besucht hatten, dringend empfohlen worden. Über den Eintrittspreis von 6 Euro pro Person waren wir erfreut. Endlich zahlt sich das höhere Alter (Rentnerpreise) mal aus. Die Lage des Museums ist geradezu perfekt: im westlichen Teil der Stadt gelegen in der Hamngatan am Meer, nicht sehr weit vom Stadtzentrum entfernt.

Zusammen mit dem Ålands Museum ist es das wichtigste Museum der Inseln. Es schreibt Geschichte mit dem Besitz der Pommern als Museumsschiff und als Eigner der weltgrößten Flotte von hölzernen Segelschiffen. Selbst das Gebäude ist spektakulär, sieht wie ein Schiffsbug aus, der sich den Weg durch das Land zum Meer pflügt!

Und wir können nur bestätigen, dass die Ausstellungen einmalig sind, faszinierend in Darstellung und  Aussage. So vergingen fast drei Stunden, in denen wir viel über Seefahrt, Traditionen, Fischfang, die harte Arbeit der Seefahrer, die zu Hause wartenden und bangenden Familien, reich werden oder bittere Verluste erleiden lernten. Beim Nachlesen der spannenden Fahrten der alten Frachter über die Weltmeere tauchten immer wieder die Verbindungen zu den Häfen in Hamburg und in Falmouth auf. Für uns natürlich von besonderem Interesse, liegt uns Falmouth nach den 12 Jahren leben und arbeiten in Cornwall sehr am Herzen und Hamburg ja sowieso! Angefüllt mit Wissen und Begeisterung traten wir den Rückweg zum Wohnmobil an, Kaffeezeit!

Originalaufbauten von der "Herzogin Cecilie"

Originalaufbauten von der „Herzogin Cecilie“ im Museum

Windjammer-Takelage im Museum

Windjammer-Takelage im Museum

Mittsommerbaum am Westhafen

Mittsommerbaum am Westhafen

Kaum ausgeruht,  lockte uns das schöne Wetter wieder nach draußen. Wir liefen noch schnell mal rüber zum Österhamn, wo große und kleine Yachten liegen, eine schöne Atmosphäre dort mit dem urigen Restaurant, um das ein Netz herum gespannt ist, um die Möwen abzuschirmen. Die kleinen Dohlen schafften es trotzdem auf die nicht abgeräumten Tische und stibitzten sich übrig gebliebene Chips und anderes.

Leben und leben lassen … solange es nicht die wirklich frechen Möwen sind, die einem das Essen aus der Hand klauen!

Das Restaurant "Pub Niska"

Das Restaurant „Pub Niska“

Sherriff Frederick

Sherriff Frederick

Übrigens funktionierte der Kühlschrank wieder prima und das Bier für den Abend war gerettet und kalt. Wir gingen früh schlafen, wurden jedoch wie in der Nacht zuvor vom gleichen Muster gestört: junge Leute mit lauter Musik und knatternden Motorrädern, aufheulenden Automotoren usw. Scheint ein Sport hier zu sein. Aber solange es nicht Graffiti und Beschädigungen an Autos ist, ist ein bisschen Lärm und nächtliches Gelächter ja vergleichsweise harmlos. Ich war schon (Gewöhnungseffekt?) milder gestimmt, Frederick zeigte sich genervt nach dem Aufwachen um Mitternacht.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Noch ein Museum

Zwar schien auch heute wieder die Sonne, aber der recht starke Wind kühlte die Temperatur bis auf 15° herunter. Eine gute Gelegenheit, das kulturhistorische Museum zu besichtigen. Doch zuerst stand ein Apothekenbesuch auf der Tagesordnung. Von Cousin Harald hatten wir uns effektive Hustenmittel empfehlen lassen. Er ist ja Apotheker in Schweden und kennt die hiesigen Mittel. Auch wenn wir zur Zeit in Finnland sind, ist hier vieles eher Schwedisch als Finnisch, so auch das Warenangebot. Harald hatte ein Mittel für den Tag und ein anderes für die Nacht empfohlen. Beides bekamen wir problemlos in der Apotheke. Hoffen wir, dass es Anne bald besser geht.

In der Tourist-Info erkundigten wir uns dann noch über zusätzliche Sehenswürdigkeiten, da wir Donnerstag und Freitag noch andere Teile der Inseln besichtigen wollen. Eine nette Mitarbeiterin des Büros sprach deutsch mit uns, sie hatte es als Wahlfach in der Schule genommen. Da musste ich doch gleich einmal nachfragen, was die Farbzusammensetzung in der Flagge zu bedeuten hat, gelb umrahmtes rotes Kreuz auf blauem Grund. Die roten Streifen stehen für den roten Granit auf den Åland Inseln, das übrige ist ja auch die schwedische Flagge, gelbes Kreuz auf blauem Grund. Das Gelb steht für die Sonne und das Blau für das Meer, oder wahlweise den Himmel.

Åland Flagge

Åland Flagge

Luxus-Yacht im Osthafen

Luxus-Yacht im Osthafen

 

Im Anschluss ging’s zum Kulturhistorischen Museum, in das auch das Kunstmuseum integriert war. Wieder konnten wir die positive Erfahrung machen, dass für Rentner erheblich günstigere Eintrittspreise galten (nur 5€ pro Person). Durch das Kunstmuseum waren wir schnell hindurch. Es war ziemlich überschaubar aber auch interessant. Im kulturhistorischen Part hielten wir uns recht lange auf. Obwohl die Geschichte der Åland-Inseln noch recht jung ist, war die Ausstellung sehr umfangreich und wirklich hochinteressant. Die Inseln waren über die vergangenen Jahrhunderte hinweg ein Spielball der Mächte. Mal gehörten sie zu Schweden, mal zu Russland. Ein unabhängiges Finnland gab es nicht. Erst nach dem 1. Weltkrieg in 1921 gewann Finnland und damit auch die Åland-Inseln die Unabhängigkeit. Die jetzige Hauptstadt Mariehamn wurde 1861 gegründet. Ihren Namen erhielt sie von der Frau des russischen Zaren Alexander II., Maria Alexandrowna.

Die Åland-Inseln erhielten eine weitgehende Autonomie, Schwedisch blieb die offizielle Amtssprache und so ist es bis heute. Nur wenige Åländer beherrschen Finnisch. Die Sprache ist in den Schulen heute nur noch ein Wahlfach.

Bake als Wahrzeichen im Osthafen, gestiftet vom Rotary Club

Bake als Wahrzeichen im Osthafen, gestiftet vom Rotary Club

Ångbåtsbrygga (Dampfschiffbrücke) im Osthafen

Ångbåtsbrygga (Dampfschiffbrücke) im Osthafen

Vom 19. – 23. Juli finden hier am Osthafen die Åland Seetage statt.  Dorthin zog es uns nach dem Museum-Besuch.  Ein paar Buden mit heißen Fischbrötchen, Hamburgern und weitere Angebote, ein Gitarrenspieler auf einer kleinen Bühne ohne Zuhörer und das war’s schon. Da waren wir schon nach 10 Minuten durch. Da wir noch an unserem Bericht schreiben und Bilder bearbeiten wollten, kehrten wir zum Wohnmobil zurück. Das dauerte dann sogar einige Stunden. Erst zum Abendessen brachen wir ab. Morgen werden wir den schönen Stellplatz aufgeben, um andere Teile der Inseln kennen zu lernen, z.B Schloss Kastelholm und die Ruine der Russenfestung Bomarsund.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Burgbesichtigungen

Heute sollte es nun nach Kastelholm und zu den Festungsruinen von Bomarsund gehen. Nach dem Frühstück verließen wir unseren so bildschönen Platz mit all den Booten und der üblichen Geschäftigkeit eines Hafens. Das Wohnmobil wurde ent- und versorgt und somit waren wir wieder für die nächsten Tage gut gewappnet.

Alles scheint auf der Hauptinsel Ålands, mit Mariehamn als Hauptstadt, mal um die Ecke zu sein und so kamen wir schon nach ca. 20 Minuten in Kastelholm an. Das Parkplatzangebot dort war groß und zur Abwechslung kostet es mal nix. Das Schloss Kastelholm ist die einzige mittelalterliche Burganlage auf Åland.  1380 wurde mit dem Bau begonnen. Sie wurde bis zum 17. Jahrhundert laufend verändert und ausgebaut. Wie üblich, herrschten die Lehnsherren der Krone und ihre Vögte über Schloss und das Lehen Åland. Unter König Gustav Wasa wurde Kastelholm königliches Schloss und es wurde prunkvoller ausgestattet. Erst 1634, als Åland der Provinz Åbo (Turku, also Finnland) unterstellt wurde, verlor Kastelholm an Bedeutung und verfiel leider in eine Ruine. Was wir heute sehen, die schrittweise Erneuerung, verdanken wir dem Wiederaufbau aus den Jahren 1890 bis 2001.

Der Eintrittspreis zur Besichtigung ist lächerlich gering: 4,50 Euro pro Person/Rentner. Natürlich sehen wir hier kein zurechtgemachtes Schloss mit all seinen Feinheiten, sondern eher eine raue Burg, mit riesig hohen Burgmauern (16 Meter!), zahlreichen Wehrgängen, Kochstellen. Interessant, sich das Leben im Mittelalter hier vorzustellen.

Burg Kastelholm

Burg Kastelholm

Burgruine Kastelholm

Burgruine Kastelholm

Auf dem weitläufigen Grundstück außerhalb der Burg gibt es seit etwa 1930 das Jan Karlsgården Freilichtmuseum. Auch hier gibt es vieles zu sehen und es erinnert uns ein bisschen an Molfsee: auch hier besteht das Museum aus Gebäuden, die aus verschiedenen Teilen Ålands hierher gebracht worden sind, insgesamt 20 an der Zahl. Es ist heute ein typisch ålåndisches Gehöft der späteren Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Wohnhaus, Sommerhäuschen, Vorratsräumen, Werkstätten und Tierställen. Zwei alte Mühlen dürfen nicht fehlen. In alle Häuser kann man schauen und sogar dem Schmied bei der Arbeit zusehen. Der junge Mann erklärte uns auf Englisch, dass er normalerweise als „Farmhand“ (Arbeiter auf einer Apfelplantage), arbeitet, nun im Sommer aber für den Schmiedejob in zwei Jahren ausgebildet wurde und bis zum Herbst hier sein Geld verdient. Eine echte Ausbildung zum Schied ist es natürlich nicht, die dauert viel länger! Es gibt so einiges an Landwirtschaft auf Åland, besonders Obstanbau, erfahren wir und staunen: 90 % der Apfelproduktion für Finnland kommt aus Åland.

Grafische Darstellung des Heimatmuseums "Jan Karlsgården"

Grafische Darstellung des Heimatmuseums „Jan Karlsgården“

Schmied bei der Arbeit

Schmied bei der Arbeit

Mühle im Museumsdorf

Mühle im Museumsdorf

Stallungen mit Holzpferd davor

Stallungen mit Holzpferd davor

Maschine zum Herstellen von Holzschindeln

Maschine zum Herstellen von Holzschindeln

Fertig geschnittene Schindeln

Fertig geschnittene Schindeln

Auf unserem Spaziergang kamen wir zu dem kleinen Gästehafen von Kastelholm. Hier gibt es ein uriges Café, wo die Segler am frühen Morgen frisches Brot kaufen und auch sonst einiges aufstocken können. Wir nahmen uns eine Pause mit Kaffee und Zimtschnecke und genossen die Atmosphäre an diesem kleinen Juwel.

Kastelholm Gästehafen

Kastelholm Gästehafen

Dekorative Gießkannen im Gästehafen

Dekorative Gießkannen im Gästehafen

Mehr Geschichte wartete auf uns, die Festungsruinen von Bomarsund, nur etwa zehn Minuten per Auto entfernt.
Auch hier fanden wir gleich einen freien Parkplatz, es war aber auch schon später Nachmittag und kaum noch jemand da. Die Ruinen dieser russischen Festung sind weithin sichtbar. Die Entstehungszeit ist 1832. Die Åland-Inseln wurden 1809 zusammen mit Finnland Teil des Zarenreichs Russland. Nach 18-jähriger Planungszeit begann endlich der Bau der Festung, wogegen der damalige britische Außenminister vergeblich protestierte. Schließlich wurde die Festung als strategischer Punkt zur Beherrschung der nördlichen Ostsee angesehen. Schweden als auch Briten fürchteten um ihren Handel in dieser Region. 1854 zur Zeit des Krimkrieges dann wurde die Festung tatsächlich zerstört und zwar durch eine überlegene anglo-französische Flotte. Das alles beschleicht einen merkwürdig, und wir vergleichen die zerbrechlichen Allianzen der heutigen Zeit … Nach der Zerstörung durch die Engländer und Franzosen wurde die Festungsanlage von der Bevölkerung geplündert wobei man es besonders auf die Granitsteine abgesehen hatte. Heute sind nur noch ein paar Mauerreste zu sehen,

Die Ruinen der Festung sind ein Touristenziel und wir staunen über die Reste der dicken Mauern und die riesige Anlage, in der heute statt Soldaten Schafe umher laufen und grasen. Auffallend war die Wabenbauweise auf der Außenfassade der Mauern. so etwas hatten wir noch nie gesehen.  Der Ausflug in die Vergangenheit war schon beeindruckend.

So in etwa hat die Festung einmal ausgesehen

So in etwa hat die Festung einmal ausgesehen

Das eigenartige Wabenmuster an den Außenmauern der Festung

Das eigenartige Wabenmuster an den Außenmauern der Festung

Blick durch eine Schießscharte auf den Bomarsund

Blick durch eine Schießscharte auf den Bomarsund

Reste der Festungsmauer

Reste der Festungsmauer

Zurück am Wohnmobil schauten wir uns nach einem Übernachtungsplatz um. Ein Wohnmobil stand schon am Bomarsund, also gesellten wir uns hinzu. Nach dem Abendessen brachen wir zu einem weiteren Spaziergang in der Festungsanlage auf, es gibt verschiedene Wege zu entdecken. Dabei kamen wir an Puttes Campingplatz vorbei, den wir zwar vorher schon gesehen, aber nicht weiter beachtet hatten. Da wir dringend waschen mussten, fragten wir an der Rezeption nach dem Preis für die Übernachtung und ob Waschmaschine und Trockner zur Verfügung standen. Der Preis haute uns fast um: nur 12 Euro für die Übernachtung mit Wohnmobil und zwei Personen, Wäsche waschen und Trocken kostenlos! Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und buchten uns ein – es war kurz vor Schließung des Platzes – holten unser Wohnmobil und fanden schnell einen Platz im Grünen. Da wir mittlerweile eine beträchtliche Menge an Wäsche zusammen hatten, fingen wir gleich an, die Maschine im Waschhaus zu nutzen.

Der Platz ist wirklich sehr schön, in grüner Natur, ohne Schicki-Micki, zweckmäßige Sanitärräume (etwas aus der Zeit), aber sehr sauber. Man sucht sich seinen Platz selbst, es gibt Stromanschluss (4 Euro). Brauchen wir aber nicht. Wir haben unsere eigene Stromversorgung auf dem Dach des Wohnmobils. Kein Zelter, Camper, kein Wohnmobil stört das nächste, hier ist endlich mal ganz viel Platz und herrliche Ruhe!

Puttes Camping

Puttes Camping

Unser Stellplatz auf Puttes Camping

Unser Stellplatz auf Puttes Camping

Bis Mitternacht waren wir beschäftigt mit Waschen und Trocknen, aber dann war’s auch gut und wir fühlten uns bestens versorgt. Wir schliefen wie die Murmeltiere!

Freitag, den 21. Juli 2017

Nochmals Kastelholm und Erkundung des Nordens Ålands – Rückfahrt nach Schweden

Wir standen um 8 Uhr auf, weil wir noch so viel wie möglich vor unserer Abfahrt von Åland sehen wollten. Ab in die Dusche, für die wir bei Warmwasser-Nutzung 1 Euro für 4 Minuten zahlen sollten, per Automat. Irgendwie verstanden wir das alles nicht so ganz, Waschen und Trocknen umsonst und das bisschen Duschen kostet. Am liebsten hätten wir Putte, dem Betreiber des Platzes, geraten, er möge doch bitte auch Geld fürs Waschen und Trocknen nehmen mit all dem Strom und dem Wasser, damit er keine Verluste einfährt. Normalerweise kostet das Waschen/Trocknen in Häfen jeweils um die 5 Euro! Leider war Putte aber nicht am Morgen im Dienst, so bedankten wir uns nur bei seiner jungen Vertreterin an der Rezeption und wünschten eine gute Saison.

Frederick wollte unbedingt zum nördlichsten Teil der Hauptinsel (Geta). Doch zuerst hielten wir nochmals bei Kastelholm, denn heute strahlte die Sonne vom Himmel und wir versprachen uns ein paar schönere Fotos als gestern. Auf dem Weg in den Norden kamen wir wieder an einem Aussichtsturm vorbei, den wir schon auf dem Hinweg gesehen hatten. Er liegt direkt an der Brücke über den Färjsund. Kurzentschlossen steuerten wir den nächsten Parkplatz an und marschierten zum Turm, der hoch oben auf einem Felsen trohnt. Um den Turm zu besteigen, muss man durch das Café und dort einen Obulus von zwei Euro pro Person entrichten. Auf Grund des schönen Wetter hoffte Frederick, von oben einige schöne Fotos schießen zu können. Es wurden in der Tat einige tolle Fotos. Café und Turm sind in Privatbesitz und zwar hieß der Erbauer und erste Besitzer Ulf Grussner. Ulf kam als vierjähriger nach Schweden und die Anlage ist unter dem Namen „Uffe på Berget“ (Uffe auf dem Berg) benannt.

Brücke über den Färjsund, vom Turm aus aufgenommen

Brücke über den Färjsund, vom Turm aus aufgenommen

Toreingang zu Uffe på Berget

Toreingang zu Uffe på Berget

Anne im Auußenbereich des Café "Uffe på Berget"

Anne im Außenbereich des Café „Uffe på Berget“

Dann fuhren wir in den Norden Ålands. Und hier waren sie denn auch, die Apfelplantagen, von denen der Schmied erzählt hatte. Das waren schon ziemlich große Anbaugebiete. Wir mussten ein wenig die Zeit für die Rückfahrt zum Fährterminal im Auge behalten und so fuhren wir nur bis zum Ort Geta, von dort hätte man per Fähre auf kleine Inseln weiter kommen können. Wir traten den Rückweg an und sahen viele Rad fahrende Familien, mit Kind und Kegel und Zeltgepäck unterwegs, alle Achtung! Bei diesem schönen Wetter war ihnen das Glück hold!

Wir verstehen jetzt die Begeisterung der Seglerfreunde, ob Brigitte und Michi aus Niendorf oder Cheeky und Roger aus Falmouth, die alle mehrfach in diesem Revier gesegelt sind. Die Landschaft der Åland-Inseln hat einen ganz besonderen Charme, hier gehen die Uhren anders, es geht soviel ruhiger zu – wir entscheiden, dass wir sicherlich nicht das erste und das letzte Mal hier gewesen sind und ab geht es zur Fähre, die pünktlich um 15.45 Uhr ablegte. Nur ein weiteres Auto – ein VW Bulli – fuhr mit uns auf die Fähre. Allerdings waren noch Passagiere und Fahrzeuge an Bord, die von Turku in Finnland kamen.

Um 18.15 landeten wir pünktlich in Kapellskär und fuhren direkt nach Norrtälje weiter. Nach einem kurzen Stadtrundgang und einem Einkauf bei Lidl ging es weiter zum vorher im Internet recherchierten Stellplatz nahe des Freibades an der Norrtälje-Au. Nur ein weiteres Wohnmobil stand hier und es wurde ein sehr ruhiger Abend und eine ruhige Nacht.

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